Vorbild für die Kunden

 

Die Stadtwerke Marburg gehen mit gutem Beispiel voran. Als Energieversorger der Region Marburg-Biedenkopf setzt das Unternehmen mit der energetischen Sanierung seines Verwaltungsgebäudes ein Zeichen für nachhaltige Energieeinsparung.  

Knapp 14 Millionen Tonnen CO2  – auf diese Menge bezifferte das Bremer Energieinstitut 2011 den Schadstoffausstoß der etwa 300.000 Kommunalgebäude in Deutschland. Eine Zahl, die sich leicht erklären lässt: Ein großer Teil des kommunalen Gebäudebestands wurde schon vor 1978 errichtet, also vor dem Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung hierzulande. 

Kein Wunder also, dass die energetische Mängelliste solcher Bauten lang ist. Eine Erfahrung, die 2012 auch die Stadtwerke Marburg GmbH zum Handeln zwang:

Der Verwaltungssitz des Energieunternehmens, am südlichen Rand der hessischen Universitätsstadt gelegen, stammt schließlich schon aus dem Jahr 1975. 

Die energetischen Defizite des Gebäudekomplexes, der nicht nur die Büroräume der Stadtwerke, sondern u.a. auch das Kundenzentrum und weitere städtische Firmen als Mieter beherbergt, lagen auf der Hand: So verlor die 40 Jahre alte Immobilie beispielsweise viel zu viel Wärme durch ihre ungedämmte Fassade. Der Energiebedarf aus Gas, Strom und Nahwärme belief sich regelmäßig auf bis zu 1,13 Millionen Kilowattstunden jährlich – eine hohe Kostenbelastung für das Unternehmen. 

Für die Stadtwerke Marburg verband sich mit der Entscheidung zur energetischen Generalüberholung ihres Unternehmenssitzes aber mehr als nur die Hoffnung auf eine spürbare Kostensenkung. „Als lokaler Energieversorger“, begründet der technische Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg, Rainer Kühne, das Sanierungsvorhaben, „der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Energiewende vor Ort voranzubringen, ist es nur glaubwürdig, wenn wir die notwendigen Schritte auch direkt bei uns vornehmen. Und das heißt: Energieeinsparung.“

Sanierung zum KfW-Effizienzhaus 100

Über einen Zeitraum von vier Jahren wird das Gebäude nun in einzelnen Teilabschnitten auf das Niveau eines KfW-Effizienzhauses 100 saniert. Das Ziel: eine Absenkung des jährlichen Energieverbrauchs auf 420.000 Kilowattstunden. Einen besonderen Effekt versprechen sich die Stadtwerke von der Fassaden- und Dachdämmung sowie von einer neuen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, bei der der abgesaugten Luft die Wärmeenergie entzogen und der Frischluft wieder zugefügt wird.
 
Die Kühlgeräte im Haus werden nun mit Gas betrieben, was sich energetisch günstiger auswirkt als der Einsatz von Strom. Die Abwärme der Motoren wird in einem Pufferspeicher gesammelt und bei Bedarf abgerufen. Eine weitere Maßnahme: Die Außenbeschattung verfügt nun über einen Wettersensor. So lässt sich verhindern, dass sich das Gebäude im Sommer zu stark aufheizt und gekühlt werden muss. 

In der neuen Heizungsverteilung des Verwaltungsgebäudes wurden drehzahlgeregelte und energieeffiziente Pumpen neuster Generation eingebaut. Bei der Beleuchtung setzt das Unternehmen nun LEDs und Energiesparlampen ein und verwendet Präsenzmelder inklusive einer lichtabhängigen Steuerung. 

Das Ergebnis der bisher durchgeführten Sanierungsmaßnahmen beeindruckt – etwa im bereits wieder eröffneten Kundenzentrum: „Insbesondere die helle, offene und freundliche Gestaltung sowie die Energieeffizienz und die weiteren technischen Raffinessen wurden von den Kunden gelobt“, freut sich Stadtwerke-Geschäftsführer Kühne. 

Fördermittel der KfW genutzt

Für die gesamte Investition (inklusive eines Neubaus) haben die Stadtwerke knapp 14 Millionen Euro veranschlagt, den größten Teil davon hat das  Unternehmen aus eigenen Mitteln finanziert. Darüber hinaus nahm der Energieversorger einen Förderkredit aus dem KfW-Programm „IKU– Energetische Stadtsanierung - Energieeffizient Sanieren“ über 2,8 Millionen Euro in Anspruch. 

„Die KfW-Förderung hatte einen spürbaren Anreizeffekt“, begründet Kühne den Einsatz der KfW-Mittel: „Ohne sie wären einige energieeinsparende Maßnahmen nicht durchgeführt worden.“ In die Investitionsplanung für das Sanierungsvorhaben eingebunden waren auch die Sparkasse Marburg-Biedenkopf als Hausbank der Stadtwerke sowie die Spezialisten für Fördermittelberatung der Landesbank Hessen-Thüringen. 

KfW erweitert Förderprogramm

Um die energetische Sanierung von Immobilien im Besitz von Kommunen, kommunalen Unternehmen und sozialen Einrichtungen weiter zu beschleunigen, hat die KfW zum 01. Oktober 2015 die bestehenden Fördermöglichkeiten noch einmal ausgeweitet. 

So erhalten Antragsteller jetzt Tilgungszuschüsse in Höhe von 5,0 Prozent des Kreditbetrages auch für energetische Einzelmaßnahmen. Die bisherige Begrenzung der Förderung auf Gebäude, die vor dem 1. Januar 1995 errichtet wurden, entfällt. Um die Investitionsentscheidungen zu erleichtern, fokussiert das Förderprogramm künftig auf drei Sanierungsniveaus: KfW-Effizienzhaus 70, KfW-Effizienzhaus 100 und KfW-Effizienzhaus Denkmal. 

Erstmalig Aufnahme im erweiterten Programm „IKK/IKU - Energieeffizient Bauen und Sanieren" fand zudem die Förderung des Neubaus oder des Ersterwerbs von energieeffizienten Gebäuden der kommunalen und sozialen Infrastruktur, sofern sie das energetische Niveau eines KfW-Effizienzhauses 55 oder 70  erreichen.

www.kfw.de/220