Trotz neuer Gesetze zur Rattenbekämpfung:

Gefährliche Rattengifte gelangen weiterhin in den Wasserkreislauf
Um die Zerstörung von Infrastruktur und die Verbreitung von Krankheiten zu verhindern, setzen viele Städte und Gemeinden bei der Rattenbekämpfung Giftköder im Abwasserbereich ein. Bei der herkömmlichen Methode gelangen die Giftstoffe bei Hochwasser schnell in den Wasserkreislauf und gefährden damit auch den Menschen. Neue Gesetze sollen das verhindern. Doch viele Kommunen halten sich nicht an die neuen Vorschriften und machen weiter wie bisher – trotz effektiver Alternativen.

Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland rund 350 Millionen Ratten. Da die Schadnager Krankheiten verbreiten und mitunter wichtige Infrastruktur zerstören, sind Städte, Kommunen und Betreiber von abwassertechnischen Anlagen schon seit jeher gesetzlich dazu verpflichtet, Ratten zu bekämpfen. In den meisten Fällen führt bei der Bekämpfung kein Weg an speziellen Giftstoffen (Rodentizide) vorbei, die erst zeitverzögert wirken, da herkömmliche Köder, die sofort wirken, schnell von anderen Ratten gemieden werden. Das Problem bei den effektiven Rodentiziden ist jedoch, dass die Giftstoffe zu einem Großteil weder biologisch abgebaut noch in Klärwerken gefiltert werden können. Dadurch wird das hochgiftige Mittel auch für Mensch und Natur zu einem echten Problem – jedenfalls dann, wenn die Köder ungeschützt ausgelegt werden. Bislang war dies oft der Fall, da die Giftköder in der Regel einfach an in die Kanalisation gehängt wurden.
Um diese Praxis zu unterbinden und Mensch und Natur zu schützen, wurden in den letzten Jahren europaweit neue Gesetze und Vorschriften erlassen, die längst gelten – und dennoch vielerorts nicht eingehalten werden. Die Anwendungsbestimmungen und Risikominderungsmaßnahmen (RMM) für antikoagulante Rodentizide wurden EU-weit vereinheitlicht. Somit sind die neuen Vorschriften u.a. auch für alle  Betreiber in Deutschland bindend. Für den Einsatz von Rattengift ist jeweils eine nationale Zulassung der Produkte erforderlich. Die Neugenehmigung der hochgiftigen Biozid-Wirkstoffe in Deutschland wurde bereits 2017 mit strengen Vorschriften verbunden. 2020 könnten sich diese noch einmal verschärfen.
Städte, Kommunen und Betreiber von abwassertechnischen Anlagen müssen bereits heute per Gesetz den Kontakt zwischen Giftköder und Wasserkreislauf sowie das Wegspülen der Köder verhindern. Um diese Vorgaben allerdings ohne Hilfsmittel wie Köderschutzboxen einhalten zu können, müssten die Giftköder in der Praxis so hoch in der Kanalisation eingehängt werden, dass keine Ratte mehr an sie herankommen würde. Und selbst dann könnte das Wasser bei besonders starkem Hochwasser an die ungeschützten Köder gelangen.
Hinzu kommt, dass die Betreiber Giftköder nicht mehr ohne nachweislichen Befund einsetzen dürfen. Ohne ein automatisiertes Monitoring der Rattenpopulation ist dies nur schwer möglich und immer mit viel manuellem Aufwand verbunden. Des Weiteren müssen mittlerweile diverse Informationen dokumentiert werden wie etwa die eingesetzte Giftmenge oder Ort und Zeit der Beköderung.
Für Kommunen und Unternehmen, die die neuen Gesetze sowie den Schutz ihrer Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen, führt also kein Weg an Hilfsmitteln wie Köderschutzboxen vorbei. Dennoch zeigen Stichproben, dass viele Kommunen weiterhin so vorgehen wie bisher – mitunter trotz Wissens um die neuen Gesetze und Köderschutz-Lösungen. Dabei lassen sich mit smarten Köderschutzboxen bis zu 90 Prozent an Giftködern einsparen. Wenn sich alle an die neuen Gesetze halten würden, ließen sich somit Hundertausende Giftköder pro Jahr einsparen. Zugleich bieten einige Hersteller gleichzeitig noch Monitor- und Cloud-Lösungen an, mit denen sich die Rattenpopulation gezielt ermitteln und analysieren lässt. Am Ende spart man als Kommune dadurch sogar Zeit und Personalkosten. Einen guten Grund, die gefährlichen Giftköder weiterhin ungeschützt einzusetzen, gibt es also nicht.