Brücke über die A5: Leichte, wartungsfreie Aluminiumkonstruktion komplettiert Radwegenetz zwischen Lahr und Schwanau im Ortenaukreis

Brücke über die A5: Leichte, wartungsfreie Aluminiumkonstruktion komplettiert Radwegenetz zwischen Lahr und Schwanau im Ortenaukreis

Singener Unternehmen baut deutschlandweit die erste Aluminiumbrücke über eine Autobahn

Um die letzte Lücke der Radwegverbindung entlang der Kreisstraße 5342 zwischen Lahr und Schwanau zu schließen und bei Kippenheimweiler die A5 zu überqueren, haben die Verantwortlichen des Landkreises und der beteiligten Gemeinden den Bau einer neuen Rad- und Gehwegbrücke in Auftrag gegeben. Die Konstruktion sollte leicht und freischwebend sein, um sie im Falle eines Autobahnausbaus problemlos ab- und an anderer Stelle wieder aufbauen zu können. Die Wahl fiel schließlich auf ein Aluminium-Modell des Singener Spezialisten Peter Maier Leichtbau (PML) GmbH, das aufgrund seiner Eloxierung zudem nahezu wartungsfrei ist. Dieses wurde komplett in der Nähe des vorgesehenen Standorts vormontiert, da aufgrund der Bauhöhe von 4,40 m ein Transport mit dem LKW vom Werk zur Baustelle nicht möglich gewesen wäre.

Bei der Überquerung der A5 handelt es sich um den letzten Abschnitt der Radwegverbindung zwischen den Ortschaften Kippenheimweiler und Ottenheim im Ortenaukreis. Das Stück ist ein Teil des Ausbauprojektes der Kreisstraße 5342 zwischen Lahr und Schwanau, das 2011 begonnen wurde und bei dem bereits 8,6 km neue Radwege entstanden sind. „Wir haben die letzte Etappe einer großen Tour erreicht“, kommentierte daher Landrat Frank Scherer anlässlich des Spatenstichs im März 2015 und auch der Lahrer Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller bestätigte: „Wir schließen eine Lücke.“ Das Projekt konnte nun erfolgreich innerhalb von vier Monaten abgeschlossen werden.

Dabei war ursprünglich geplant gewesen, den Radweg auf diesem Teilstück entlang der bereits vorhandenen Straßenbrücke über die A5 zu führen. Aus statischen Gründen war das jedoch nicht möglich und man einigte sich auf den Bau einer separaten Radwegbrücke. Für diese wurden ab März zunächst die notwendigen Stahl-Unterbauten sowie ein Stützbauwerk errichtet. Beim Überbau entschied man sich für ein Modell in Aluminium-Leichtbauweise von PML, das von den Singener Experten als freischwebende Fachwerktrogbrücke konzipiert wurde. „Die Konstruktion hat eine Spannweite von insgesamt 48 m und ein lichtes Durchgangsmaß von 3 m Breite“, erklärt Jörg Petrowski, Vertriebsleiter Brückenbau bei PML. „Als Besonderheit hat die Brücke eine Belagserhöhung und eine Überhöhung in Längsrichtung erhalten.“ Die Fußgänger- und Radfahrerbrücke kann im Winter von Räumfahrzeugen mit bis zu 7,5 t Gesamtgewicht befahren werden.

Wartungsfreiheit durch verschraubtes und eloxiertes Aluminium

Da für die Verantwortlichen sehr wichtig war, dass das Aluminiumbauwerk über die A5 wartungsfrei bleibt, wurden alle konstruktiven Brückenteile nicht lackiert, sondern eloxiert. „Dabei wird die Metalloberfläche unter Einwirkung von Gleichstrom in einem Elektrolyt-Bad in eine dichte und sehr harte Oxidschicht umgewandelt, die fest mit dem Grundmaterial verbunden ist“, erläutert Petrowski. Diese bietet Schutz gegen mechanische Einflüsse und ist witterungs- und korrosionsbeständig. „Da die Schicht ins Material eingeht und anschließend ein integraler Bestandteil der Konstruktion ist, ist das Verfahren die technisch sinnvollste Maßnahme, um einen nachhaltigen Oberflächenschutz zu gewährleisten“, so der Fachmann. Bei lackierten Oberflächen werden dagegen zusätzliche Schichten auf das Material aufgebracht, die ausbleichen, verwittern und abblättern, so dass sie irgendwann erneuert oder ausgebessert werden müssen. „Wir haben alle Profile vor der Eloxierung gesägt, gebohrt und nachbearbeitet, erst dann werden alle Teile verbaut“, erklärt Petrowski. „Außerdem lassen sich so behandelte Aluminiumoberflächen auch ohne aufwändigen Graffitischutz reinigen.“ Teure Sanierungen werden somit bei der neuen Brücke entfallen.

Außerdem wurde überwiegend auf Schweißnähte verzichtet, da sie eine Schwachstelle darstellen, an der es zu versteckten Fehlern wie Einschlüssen, Porenbildung oder Bindefehlern kommen kann. Diese lassen sich nur durch eine zerstörungsfreie Prüfung (ZPF) mittels Ultraschall oder Röntgen ausschließen. „Werden sie übersehen, kann es zu einer Schwächung der Belastbarkeit kommen. Bei der für unsere Brücken verwendeten Legierung EN AW-6082 T6 beispielsweise würde die maximale Belastbarkeit des Materials von einer Streckgrenze von 310 N/mm² auf nur noch 185 N/mm² in der Wärmeeinflusszone sinken“, so Petrowski. Auch kann sich die Konstruktion durch das Schweißen verziehen und die Wärme innere Spannungen hervorrufen. „Schweißnähte gibt es bei der Brücke über die A5 daher lediglich an den Lagerplatten und den Plattformen, alle anderen tragenden Teile sind verschraubt.“

Einschwenken am 27. Juni

Die Brücke wurde etwa 500 m vom vorgesehenen Standort entfernt bei einem Bauunternehmen komplett gefertigt und mit einem Tieflader zur Baustelle transportiert. „Dieses Vorgehen ist so etwas wie ein Sonderfall. Für die meisten unserer Brücken wird der gesamte Aluminiumkorpus bei uns im Werk in Singen montiert“, so Petrowski. „Das war diesmal aber nicht möglich, weil aufgrund der Bauhöhe von 4,40 m ein Transport vom Werk zur Baustelle sehr schwierig gewesen wäre.“ Eingehoben wurde die Brücke am Samstag, den 27. Juni 2015 mit zwei Autokranen. Zu diesem Zweck musste die A5 in der Nacht von Samstag auf Sonntag für circa zwei Stunden vollständig gesperrt werden.

„Die Brücke kann später problemlos ab- und wieder aufgebaut werden“, erläutert Landrat Scherer einen für die Verantwortlichen entscheidenden Vorteil der neuen Aluminiumkonstruktion, die ohne Mittelpfeiler auskommt. „Zum Beispiel, wenn der sechsspurige Ausbau der A 5 kommen sollte.“ Um den freischwebenden Brückenüberbau an einen anderen Standort zu versetzen, kann genauso vorgegangen werden wie beim Einbau: „Er lässt sich einfach komplett von den Fundamenten heben und mit dem Tieflader abtransportieren“, so Petrowski

 

Die Firma Peter Maier Leichtbau (PML) GmbH wurde 1984 im baden-württembergischen Singen gegründet. Das Unternehmen mit rund 40 Mitarbeitern entwickelt und produziert Lösungen aus Aluminium für die Logistikbranche und den Brückenbau: Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich PML mit der Konzeption und Fertigung von Aluminiumplattformen für hydraulische LKW-Ladebordwände, bei der eine von Firmengründer Peter Maier entwickelte, weltweit einzigartige Hybrid-Laser-Schweißtechnik zum Einsatz kommt. Der Produktionszweig macht 80 Prozent der Unternehmenstätigkeit aus. Mitte der 1990er Jahre erfand die Firma ein mittlerweile patentiertes Baukastensystem für Aluminiumbrücken, Türme, Stege und Treppen. Das Unternehmen bietet alles aus einer Hand: Entwicklung, Konstruktion, Fertigung, Logistik und Montage. Modernste Fertigungsverfahren, höchste Produktqualität und innovatives tech­nologisches Know-how sind die Basis für den Unternehmenserfolg.

PML ist nach ISO-Norm 9001:2008 sowie gemäß DIN EN 1090-1:2012 für tragende Aluminiumbau­teile bis EXC_3 zertifiziert und damit auf dem neuesten Stand der Normung und Technik. Das Unternehmen hat neben Deutschland bereits Aufträge in Italien, Ungarn, England, Frankreich, der Schweiz, Australien, China und den Emiraten durchgeführt.

www.pml.de